Allgemeines zum Thema Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom)
Humane Papillomviren (HPV)
HPV-Infektion und Krebsentstehung
Neue Möglichkeiten, die Krebsfrüherkennung zu verbessern
Impfung

Allgemeines zum Thema Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom)
Jedes Jahr erkranken 7000 Frauen in Deutschland an Gebärmutterhalskrebs, 2000 sterben daran. Die Mehrzahl dieser Erkrankungen wäre vermeidbar, wenn die Vorstufen des Karzinoms rechtzeitig erkannt und behandelt werden. Aus diesem Grund wird seit Jahrzehnten in Deutschland eine sehr effektive Vorsorgeuntersuchung für Frauen angeboten, bei der ein Abstrich („Pap-Abstrich“) vom Gebärmutterhals entnommen wird. Die entnommenen Zellen werden auf einem Objektträger ausgestrichen, gefärbt und auf bösartige Zellen untersucht.
Humane Papillomviren (HPV)
Der Gebärmutterhalskrebs wird durch bestimmte Viren, sogenannte Humane Papillomviren (HPV) ausgelöst. Papillomviren infizieren die Haut und Schleimhäute fast aller Menschen. In der Regel verursachen sie nur harmlose kleine Veränderungen, die vor allem an den Händen oder Füßen als Warzen in Erscheinung treten. Es gibt mehr als 100 verschiedene HPV-Typen. Eine Untergruppe befällt vor allem die Schleimhaut im Genitalbereich und kann Genitalwarzen hervorrufen. Diese Warzen sind sehr lästig und zum Teil schwierig zu behandeln, aber die Veränderungen sind in der Regel gutartig. Wesentlich gefährlicher sind Hochrisiko-HPV-Typen (HR-HPVs), die bei Frauen am Gebärmutterhals Krebsvorstufen auslösen können. Ohne Behandlung bilden sich aus einem Teil der Krebsvorstufen bösartige Tumore. Die Gruppe der HR-HPVs umfaßt etwa 13 Typen, deren Fähigkeit, Krebs auszulösen, jedoch sehr unterschiedlich ist. Insbesondere für die Typen HPV 16 und HPV 18 konnte ein erhöhtes Risiko einer Krebsentwicklung gezeigt werden. Aber auch diese beiden Typen sind weit verbreitet und nur bei einem kleinen Teil der Infizierten entwickeln sich tatsächlich bösartige Tumore. Je nach Bevölkerung sind bis zu 40% der sexuell aktiven Frauen mit Papillomviren infiziert, in Deutschland liegt die durchschnittliche Rate der HR-HPV-Infektionen bei etwa 6 % aller gesunden Frauen. Infektionen mit diesen Viren finden sich auch bei Männern mit vergleichbarer Häufigkeit, jedoch werden beim Mann nur sehr selten Krebserkrankungen ausgelöst. Eine HPV-Infektion wird in der Regel nicht bemerkt, es gibt auch keine Medikamente, die eine Virusinfektion bekämpfen können. Bei den meisten infizierten Personen heilen die HR-HPV-Infektionen nach einigen Monaten in aller Regel ganz von alleine ab.
HPV-Infektion und Krebsentstehung:
Nur bei wenigen Frauen bleiben die Infektionen im Bereich des Gebärmutterhalses länger bestehen. Durch „molekulare Unfälle“ in den betroffenen Zellen des Gebärmutterhalses können in der Folge dann Krebsvorläuferzellen entstehen. Mit Hilfe des Pap-Abstrichs können diese veränderten Zellen frühzeitig erkannt werden . Durch einen kleinen operativen Eingriff kann dann das Areal mit den veränderten Zellen operativ entfernt werden (Konisation), bevor es zum Ausbruch einer invasiven, möglicherweise metastasierenden Krebserkrankung kommen kann.
Neue Möglichkeiten, die Krebsfrüherkennung zu verbessern
Der Pap-Test als Früherkennungstest für den Gebärmutterhalskrebs hat sich in den vergangen Jahrzehnten sehr bewährt. Heute werden bei Frauen, die an der jährlichen Krebsvorsorge mit dem Pap-Test teilnehmen, in aller Regel Läsionen so frühzeitig erkannt, dass es kaum noch zur Entstehung eines Gebärmutterhalskrebses kommt. Dennoch ist der Pap-Test mit einer gewissen Fehlerrate behaftet. So kann gerade bei geringgradigen Zellveränderungen die Beurteilung des Abstrichs schwierig sein. Aus diesem Grund wird nicht jede Krebsvorstufe durch einen einmaligen Pap-Abstrich erkannt, so dass der Abstrich gerade bei unklaren Befunden häufiger wiederholt werden muß. Dies führt zu einer Verunsicherung der betroffenen Frauen. Auf der Basis von intensiven Forschungsarbeiten in den letzten Jahrzehnten wurden verschiedene technische Methoden entwickelt, die möglicherweise zu einer verbesserten Qualität und Aussagekraft der Früherkennung des Gebärmutterhalses beitragen können.
- Die technische Qualität des Zellpräparates kann durch sogenannte „zytologische Dünnschichtverfahren“ oder im Englischen „liquid based cytology (LBC)“ verbessert werden. Dies führt zu einem klareren Zellbild unter dem Mikroskop und kann dem Pathologen die Beurteilung der Zellen erleichtern.
- Mit dem neuen CINtec® Cytology Kit der Firma mtm laboratories, Heidelberg, der eine Überexpression des p16INK4a Proteins feststellt, gelingt es Zellen von Krebsvorstufen im zytologischen Präparat noch besser darzustellen. Die Zellen werden mit einem Farbstoff markiert, der sich mit dem monoklonalen Antikörper E6H4™ verbindet. Sie können so leicht von den gesunden nicht markierten Zellen im Abstrich unterschieden werden.
- Durch den Nachweis einer HR-HPV-Infektion mit Hilfe eines molekularen Tests kann gerade bei unklaren zytologischen Befunden die Einschätzung der Gefährlichkeit der Zellveränerungen erleichtert werden. Wenn der HPV-Test negativ ausfällt, ist ein verändertes Zellbild als eher harmlos einzuschätzen. Wird jedoch bei einem veränderten Zellbild eine HR-HPV-Infektion nachgewiesen, sollte eine Krebsvorstufe durch weiterführende Untersuchungen (Spiegelung des Gebärmutterhalses, Kolposkopie) ausgeschlossen werden.
Es gibt unterschiedliche Verfahren, um HPV nachzuweisen. Ein weit verbreiteter Test ist das Hybrid-Capture 2 Verfahren (HC-2-Test der Firma Digene), das seit einiger Zeit für eine Anwendung in der Diagnostik zugelassen ist. Dieser Test ist sehr zuverlässig, kann allerdings keine Einzeltypen nachweisen. Das bedeutet, dass dieser Test positiv ausfällt, wenn einer oder mehrere der 13 Hochrisikotypen vorliegen. Neue Forschungsergebnisse der letzten Jahre zeigen, dass bei einigen Hochrisikotypen sehr viel häufiger Krebs entsteht als bei anderen. Deshalb erscheint eine genauere Bestimmung des HPV-Typs durch einen zusätzlichen weiteren Test heute als sehr sinnvoll und ist bei einem positiven HC-2 Test zu empfehlen. Eine genauere Beurteilung des Erkrankungsrisikos ist nur möglich, wenn man den HPV-Typ kennt. Auch ist die klinische Beurteilung von länger dauernden Infektionen mit einer typspezifischen Analyse besser möglich. Das Hybrid Capture 2 Verfahren kann beispielsweise nicht anzeigen, ob ein zweiter positiver Test vielleicht durch eine weitere Infektion mit einem anderen HPV Typ entstanden ist.
Ob ein HPV-Test bzw. welcher zytologische Abstrichtest bei Ihnen am besten für die Krebsvorsorge geeignet ist, kann Ihnen Ihr Gynäkologe am besten in einem persönlichen Gespräch erläutern.
Bitte sprechen Sie mit Ihrem Frauenarzt, um weiterführende Informationen und ärztlichen Rat zu diesem komplexen Thema zu erhalten.
Impfung
Im vergangenen Jahr ist ein Impfstoff gegen humane Papillomviren auf den Markt gekommen (Gardasil®, SPMSD). Ein weiterer wird in Kürze folgen (Cervarix®, GlaxoSmithKline). Es wird oft gefragt, ob ein HPV-Test vor einer HPV-Impfung erfolgen muß. In aller Regel ist dies nicht der Fall. Dennoch ist ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass das Risko ein Gebärmutterhalskrebs nach einer HPV-Impfung zu entwickeln, nur um etwa 70 % gesenkt wird. Daher ist es für Ihre eingene Sicherheit unerlässlich, dass Sie auch nach einer HPV-Impfung am Krebsvorsorgeprogramm teilnehmen. Die Impfung senkt das Risiko, schließt es aber nicht mit Sicherheit aus, weil Infektionen durch weitere HPV-Typen, die durch die Impfung nicht abgedeckt werden, auch zum Gebärmutterhalskrebs führen können.
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